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Malteser Ravensburg

Jubiläumsfahrt fällt Corona-Virus zum Opfer

Seit 30 Jahren fahren die Malteser nach Rumänien

07.04.2020
Im Dezember noch konnten Kristof Pallai (Bildmitte) vom SAMR Satu Mare und Norbert Scheffler (rechts) wichtige Trinknahrung an Erzsebet Pap für ihren schwerkranken Sohn Csaba übergeben.

Eigentlich war sie schon geplant, die Fahrt anlässlich zum 30. Jahrestag der Malteser Rumänienhilfe. Doch wie mit vielem, so mussten die Malteser auch davon wegen der Corona-Pandemie Abstand nehmen.

„Wenn die Malteser sagen, sie kommen wieder, so kommen Sie auch wieder!“ Nicht nur einmal hat Norbert Scheffler, Stadtbeauftragter und für die Malteser in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Projektleiter für Osteuropa, diesen Satz von den rumänischen Partnern gehört. „Viele andere Organisationen und Initiativen haben nach den Anfängen 1990 ihre Arbeit eingestellt und sind nicht mehr gekommen“, weiß Scheffler zu berichten. Und mehr denn je ist die Hilfe der Malteser gefragt. Nicht nur bei ihrer Partnerorganisa-tion vom rumänischen Malteser Hilfsdienst Serviciul Ajutor de Maltez in Romania (SAMR) in Satu Mare, sondern auch in den Dörfern Moldovita und Vatra Moldovita.

Angefangen hat die Rumänienhilfe der Malteser im März 1990. „Wir haben uns damals mit zwei Lastwagen einem Hilfskonvoi unserer Diözesangliederung angeschlossen. Ein Lastwagen war voller Kleidung, der andere mit Lebensmittelpaketen geladen. Insgesamt bestand der Konvoi aus 19 Lastwagen und einem Begleitfahrzeug“ erinnert sich Scheffler. „Nach zwei Tagen Fahrt sind wir spätnachts in Cluj-Napoca (Klausenburg) angekommen. Dort hatten die Malteser aus München in einem Hotel ihren Stützpunkt eingerichtet. Von dort aus erfolgten dann die weiteren Instruktionen, wo wir unsere Hilfsgüter abladen durften“, so Scheffler weiter. Bekanntestes Projekt der Malteser in den 90er Jahren waren die Hilfen für die Psychiatrische Klinik in Beclean. Bis heute unterhalten die Malteser freundschaftliche Beziehungen zur Klinik und statten ihr regelmäßige Besuche ab. Seinerzeit wurde mit Hilfe aus Oberschwaben für insgesamt 250000 DM ein 28-Betten-Neubau zur Entlastung der räumlichen Situation der dortigen Patienten geschaffen. Seit 30 Jahren besteht auch die partnerschaftliche Beziehung zum Kloster Moldovita in den Karpaten und den Dörfern Moldovita und Vatra Moldovita. Die Partnerschaft mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom SAMR in Satu Mare besteht mittlerweile 7 Jahre.

Die aktuelle Lage bei ihren Partnern in Rumänien ist prekär, weiß Scheffler nach einem Telefonat in diesen Tagen zu berichten. Auch die Malteser in Satu Mare mussten ihre Arbeit komplett einstellen. „Es gibt zehn Corona-Infizierte und zwei Sterbefälle in der Stadt. Allerdings werden nur Patienten mit eindeutigen Krankheitsanzeichen getestet“ informiert Gabi Bonto, Mitarbeiterin des SAMR, in einem Telefonat Scheffler. „Wir dürfen keine Lebensmittelpakete mehr zu den Bedürftigen bringen. Nur im Auftrag des Bürger-meisteramtes dürfen wir mit Ausnahmegenehmigungen Einkaufswünsche von Bürgern erfüllen. Die Kinder- und Jugendbetreuung im Bildungszentrum St. Josef ist bis auf weiteres geschlossen“, so Bonto im Gespräch weiter. „Geheim“ fährt der bisherige Leiter des SAMR Satu Mare, Kristof Pallai, zu Bedürftigen um Inkontinenzprodukte zu bringen. „Die Preise für Lebensmittel und Hygieneartikel sind um 50 bis 100 Prozent gestiegen“ berichtet Bonto weiter.

Gleiches bestätigt auch Steffi Hendl in Vatra Moldovita. Sie kennt Scheffler seit ihrem 5. Lebensjahr. Die über 65jährigen dürfen nur mit einer Genehmigung des Bürgermeister-amtes zwischen 11 und 14 Uhr zum Lebensmittel einkaufen gehen. Die Kreisstadt Suceava mit ihren rund 95000 Einwohnern in Grenznähe zur Ukraine und Moldawien sowie zehn weitere Dörfer herum sind komplett nach innen und außen abgeriegelt. Die Polizei und die Armee bewachen die Stadt und die Dörfer. In Moldovita gibt es eine infizierte Person, welche in Quarantäne unter Bewachung der örtlichen Polizei steht.

Die Versorgungslage der Bevölkerung wird sich nach der Corona-Krise sehr nachteilig auswirken, ist sich Scheffler sicher. Bereits jetzt gab es schon sehr viele Familien, die sich nicht einmal ihr tägliches Brot leisten konnten. Auch in Rumänien sind jetzt die Geschäfte und Betriebe geschlossen. Dies wirkt sich insbesondere auf die eh schon sozial Schwachen und Gelegenheitsarbeiter aus, da der Verdienst fehlt. Einen Rettungsschirm, wie in Deutschland gibt es bisher nicht. Daher wurden die Malteser in Weingarten jetzt schon um Lebensmittel- und Geldspenden für die Zeit nach dem Virus gebeten. Wann die nächste Hilfsgüterfahrt unternommen werden kann, steht für Scheffler in den Sternen. „Wir wollen aber dann gut vorbereitet sein und bitten insbesondere um Geldspenden“, so der Aufruf von Scheffler. Diese können überwiesen werden auf das Spendenkonto bei der Kreissparkasse Ravensburg, IBAN DE47650501100048050610, Stichwort: Rumänienhilfe.

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  KSK Ravensburg  |  IBAN: DE47 6505 0110 0048 0506 10  |  BIC / S.W.I.F.T: SOLADES1RVB